Impfungen

Von Dr. Barbara Richter, am 13.12.2020

Impfungen

Die aktuelle Situation mit dem neuartigen Coronavirus erinnert an Zeiten, als Infektionskrankheiten zu einer täglichen und reellen Bedrohung gehörten. 

Die Machtlosigkeit gegenüber den Infektionskrankheiten und Epidemien ging bis in das 19. Jahrhundert, als zum ersten Mal erkannt wurde, dass das Durchmachen einer Krankheit zu Immunität gegen dieselbe führen kann.
Zu Zeiten der Pocken wurden Menschen deshalb absichtlich mit dem Virus infiziert, allerdings verwendete man dabei das Kuhpockenvirus, welches durch einen milden Verlauf gekennzeichnet war aber den „echten Pocken“ ähnlich genug, um eine Immunität gegen dieselben hervorzurufen.
Zu diesem Zeitpunkt war noch wenig über die genauen Abläufe des Immunsystems sowie über Erreger von Krankheiten bekannt, erst viele Jahre später wurden Bakterien und Viren als Ursache für Infekte überhaupt entdeckt.

Die ersten Impfprogramme und die standardisierte Herstellung von Impfstoffen wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen, was damals in vielen Ländern mit einer Impfpflicht verbunden war. Großen Durchbruch erzielte Jonas Salk Mitte des letzten Jahrhunderts, als er nachweisen konnte, dass auch durch Totimpfstoffe (also nicht nur abgeschwächte, sondern abgetötete Erreger) eine wirksame Immunisierung erreicht werden kann.

Zusätzliche Bedeutung erlangte natürlich auch die Entdeckung von Penicillin durch Alexander Fleming 1928. In weiterer Folge wurden an vielen verschiedenen Antibiotika geforscht, die uns heute zur Behandlung von bakteriellen Infekten zur Verfügung stehen.

Leider ist eine solche „ursächliche“ Behandlung bei Virusinfekten kaum möglich, Uns bleibt in den meisten Fällen lediglich die Behandlung mancher Beschwerden (Husten, Schnupfen, Schmerzen, usw.), der Verlauf der Erkrankung kann wenig beeinflusst werden. Zwar gibt es inzwischen für bestimmte Erkrankungen und schwere Verläufe sogenannte „Virostatika“, die Wirkung scheint aber oft begrenzt, die Verträglichkeit ist häufig ein Problem.

Somit ist die Impfung gegen gefährliche virale Erreger unsere einzige Chance im Kampf gegen diese Krankheiten. 

Dank Einführung des kostenfreien Impfprogrammes für Kinder ist es gelungen nicht nur allen Kindern, unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern, Zugang zu den für die öffentliche Gesundheit wichtigen Impfungen zu ermöglichen, sondern auch eine breite Impfbeteiligung und damit eine „Herdenimmunität“ zu erreichen und dadurch auch nicht immunen Personen einen Schutz zu bieten,

In den letzten Jahren ist eine vermehrte Impfskepsis zu beobachten, die Zahl der Impfkritiker und Impfgegner nimmt deutlich zu. 

Während hingegen Wissenschaftler, Mediziner, Pharmazeuten mit Studien und Fakten argumentieren, wird durch das Internet und die sozialen Medien Menschen, die ohne Überprüfung und Belege Behauptungen aufstellen können und andere dadurch verunsichern, eine mächtige Plattform geboten.

Insbesondere Pharmaunternehmen stehen in der Kritik nur an Profit interessiert zu sein. Die Herstellung von Impfungen im Vergleich zu anderen Arzneien ist jedoch um einiges aufwendiger und teurer, aber vergleichsweise weniger erträglich.

Auch die Wirksamkeit vieler Impfungen wird diskutiert. Natürlich sind nicht immer alle Menschen durch eine Impfung gleich geschützt, dafür is unser Immunsystem zu unterschiedlich. Es gibt sogenannte „Non-Responder“, die auch auf mehrmaliges Impfen keine ausreichende Immunantwort bilden.
Beim Zulassungsverfahren eines Impfstoffs wird mittels Kontrollgruppen sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit nachgewiesen und Risiken und Nutzen gegeneinander abgewogen. Davon abgesehen, dass viele „Nebenwirkungen“ gar nicht mit der Impfung selbst in Zusammenhang stehen müssen, sondern auch durch andere Einflussfaktoren entstehen können.

Bedenken bezüglich der Sicherheit kommen außerdem hinzu. Die Sorge, eine Impfung kann die Erkrankung selbst auslösen, kann bei Totimpftsoffen (abgetötete Erreger oder deren Bestandteile) auf jeden Fall genommen werden. Bei Lebendimpfstoffen (abgeschwächte Erreger) kann es zu einem milden Verlauf der Infektion kommen, schwere Verläufe wurden eigentlich nur bei Patienten mit Immunschwäche beobachtet. Für diese Patientengruppe bestehen daher gesonderte Impfempfehlungen. Auch rund um einen akuten Infekt oder eine Operation wird ein zeitlicher Abstand bis zur Impfung empfohlen, weniger aus Bedenken bezüglich der Sicherheit, mehr um eine möglichst hohe Wirksamkeit zu erzielen.
Der Vorwurf die Masern-Mumps-Röteln-Impfung würde Autismus auslösen, wurde mehrmals widerlegt. Der eigentliche Skandal an dieser Geschichte war, dass der Verfasser dieser Studie Patente am Konkurrenzimpfstoff hielt und außerdem Geld von Eltern erkrankter Kinder angenommen hatte und somit ein eindeutiger Interessenkonflikt bestand.

Befürchtungen über bestimmte giftige Zusatzstoffe wie Quecksilber, Formaldehyd oder Aluminium können nicht bestätigt werden, denn sie kommen in nur in sehr geringen Dosen vor und sind deshalb unter dem toxikologischen Grenzwert. Aluminium wird in bedeutend höheren Dosen tagtäglich durch die Nahrung aufgenommen. Quecksilber als Zusatzstoff wird heutzutage auch nicht mehr verwendet.

Einige Menschen behaupten auch, dass das Durchmachen einer Erkrankung das Immunsystem stärken würde und die „gesündere“ Alternative zur Impfung sei. Dem muss man zum einen entgegenhalten, dass die Erkrankungen, für die heute Impfempfehlungen vorliegen, zu einem schweren Verlauf mit Komplikationen, schweren Folgeschäden und auch dem Tod führen können. Sein Kind diesem Risiko auszusetzen zu wollen klingt absurd. Zum anderen kann ein Durchmachen dieser Infekte sogar nachweislich zu einer länger andauernden Schwächung und Infektanfälligkeit führen.

Die gleichzeitige Impfung gegen mehrere Erreger führt auch nicht zu einer „Überforderung“ unseres Immunsystems, da die heutige Impfstoffzusammensetzung eine wesentlich geringere Antigenzahl aufweist. Auch hier muss man erwähnen, dass unser Immunsystem im Alltag ohne Schwierigkeiten mit einer deutlich höheren Antigenzahl konfrontiert ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sehr viele gut belegbare Argumente für das Impfen und kaum ein Argument dagegen gibt.

Eine Zusammenfassung aktueller Impfempfehlungen finden Sie im folgenden PDF:

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Liebe Patientinnen, liebe Patienten!

Aufgrund einer Fortbildung ist unsere Ordination am Montag, den 18. Oktober 2021 geschlossen. Unsere Vertretung für diesen Tag ist Frau Dr. Doris Musshauser: 05223/57301

Ab Dienstag, den 19. Oktober 2021 sind wir wieder für Sie da!

Ihre Ordination “Dr. Barbara Richter & Dr. Josef Gasser”